Einfalt

Der Weg franziskanischer Einfalt

Der Begriff ‚Einfalt‘ steht heutzutage für Naivität oder gar Torheit. Da mag es verblüffen, dass Franziskus von Assisi sich selbst mehrfach als einfältig bezeichnete und die entsprechenden Quellentexte sein Weltbild und seine Lebensform als ‚Weg franziskanischer Einfalt‘ bezeichnen. Semantisch hat der Ausdruck allerdings zu seiner Zeit eine vielfältige Bedeutung: Einfachheit, Natürlichkeit und Geradlinigkeit sind genauso mit gemeint, wie Zufriedenheit und Genügsamkeit. Tatsächlich ist die derart verstandene Einfalt so etwas wie die Perspektive von der aus die Welt, durchaus mit einem kritischen Auge, betrachtet und interpretiert wird. Der ‚Weg der Einfalt‘ befähigte Franziskus sich schöpferisch für etwas Neues zu öffnen und dafür etwas von seinem überholten Eigenen abzulegen. So gelang es ihm sich mit der ganzen Schöpfung zu vernetzen und Mensch und Natur ins Gleichgewicht zu bringen. Auf diese Weise wurde der Weg der Einfalt und Einfachheit zum Reichtum der Zufriedenheit und Genügsamkeit. Dieser von Franziskus eingeschlagenen Weg der Einfalt wurde über Jahrhunderte zum Anstoß außer materiellem Gewinn auch Human-, Sozial-, Kultur-, und Umwelt-/Mitweltkapital wertzuschätzen. Der Weg franziskanischer Einfalt will daher aufmerken lassen und dazu anregen, dass es auch tragfähige Alternativen gibt. Aus diesem Blickwinkel will diese Kolumne in regelmäßigen Abständen zu Themen ökonomischer, kultureller, gesellschaftlicher und aktueller Relevanz Stellung beziehen.

Franziskus spielt auf der Geige (Ernst Alt 1976)